Fortbildung Atmungstherapie intensiv
Lehrgangsort: Bildungscampus Essen
Die Versorgung respiratorisch insuffizienter Patienten*innen verändert sich spürbar. Nichtinvasive Verfahren wie die High-Flow-Therapie ersetzen zunehmend die Eskalation zur Intubation.
Bettseitige Zwerchfellsonografie ist schnell durchführbar und hat prognostische Relevanz bei COPD Patienten, neuromuskulären Erkrankungen sowie im prolongierten Weaning.
In der außerklinischen Intensivpflege ist die regelmäßige Überprüfung von Entwöhnungs- und Dekanülierungspotenzialen inzwischen verbindlich vorgeschrieben.
Atmungstherapeuten*innen stehen dabei an einer Schlüsselstelle: Sie verbinden Diagnostik, Therapiesteuerung und Überleitung.
Der Fortbildungstag „Atmungstherapie intensiv 2027“ greift diese Entwicklungen auf.
Am Vormittag führen drei Fachvorträge in die aktuellen Schwerpunkte ein. Am Nachmittag werden die Inhalte in praxisorientierten Workshops vertieft, die individuell gebucht werden können. Parallel findet in drei Durchgängen der Workshop Bronchoskopie am Simulator in kleinen Gruppen statt. Da hier die Plätze sehr begrenzt sind werden Anmeldungen in der Reihenfolge des Eintreffens berücksichtigt! In der Mittagspause lädt die Industrieausstellung zum Austausch ein. Zum Abschluss laden wir alle Teilnehmenden zu einem gemeinsamen Abschlusskolloquium ein.
Setzen Sie sich INTENSIV mit folgenden Themen auseinander!
Tagesprogramm
High-Flow-Therapie
Die High-Flow-Sauerstofftherapie über Nasenkanüle (HFNC) hat sich vom Nischenverfahren zur festen Säule der respiratorischen Therapie entwickelt. Sie wird eingesetzt beim akuten hypoxämischen Lungenversagen, zur Postextubationsphase, zur Präoxygenierung und zunehmend auch bei hyperkapnischen Patienten*innen. Doch was leistet die Methode tatsächlich, und wo liegen ihre Grenzen?
Der Vortrag beleuchtet die physiologischen Wirkmechanismen. Dazu gehören die Auswaschung des anatomischen Totraums, ein flussabhängiger PEEP-Effekt, eine präzise Steuerung des FiO₂ sowie die Entlastung der Atemarbeit durch konditionierte, erwärmte und befeuchtete Atemgase.
Im Fokus steht außerdem eine der wichtigsten Fragen im klinischen Alltag: Wann versagt die High-Flow-Therapie, und wann wird ein Festhalten am Verfahren zur Gefahr? Instrumente wie der ROX-Index helfen, ein drohendes Therapieversagen frühzeitig zu erkennen und eine verzögerte Intubation zu vermeiden. Zudem wird die Abgrenzung zur nichtinvasiven Beatmung (NIV) auf Basis der aktuellen Leitlinienempfehlungen dargestellt.
Im Workshop wird die High-Flow-Therapie anhand von Fallbeispielen praktisch vertieft.
Vortrag: Dr. Lars Heining – Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Intensivmedizin und Schlafmedizin
Workshop:
Diagnostischer Zwerchfellultraschall
Das Zwerchfell ist der wichtigste Atemmuskel, und bei beatmeten Patienten*innen oft übersehen. Bereits nach kurzer kontrollierter Beatmung kann eine ventilatorinduzierte Zwerchfelldysfunktion (VIDD) entstehen. Sie gilt als ein wesentlicher Faktor für ein prolongiertes oder gescheitertes Weaning. Klinisch bleibt sie häufig unerkannt, bis der Spontanatemversuch misslingt.
Die Zwerchfellsonografie ermöglicht eine nichtinvasive, strahlungsfreie und bettseitig wiederholbare Beurteilung der Atempumpe. Die Aussage der erhobenen Parameter zur Zwerchfllexkursion der Dickenzunahme sowie weiterer Einstellmöglichkeiten erlauben Aussagen über die Kontraktilität, helfen bei der Erkennung von Phrenikusparesen und liefern wertvolle Hinweise zur Prognose des Weaning-Erfolgs. Darüber hinaus kann die Sonografie zur Steuerung einer zwerchfellprotektiven Beatmung beitragen, die weder eine Über- noch eine Unterbelastung des Zwerchfells zulässt.
Im Workshop werden Schallkopfwahl, Anlotung, Messtechnik und Interpretation in kleinen Gruppen praktisch geübt. So kann das Verfahren direkt in den eigenen klinischen Alltag übertragen werden.
Vortrag und Workshop: Dr. Nick Weidner – Leitender Oberarzt Pneumologie, Helios Kliniken Erfurt
Potentialanalyse in der Außerklinik
Mit der Außerklinischen Intensivpflege-Richtlinie (AKI-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses hat sich die Versorgung langzeitbeatmeter und tracheotomierter Menschen grundlegend verändert. Vor jeder Verordnung außerklinischer Intensivpflege muss nun eine qualifizierte Potenzialerhebung erfolgen. Dabei wird geprüft, ob eine Entwöhnung von der Beatmung oder eine Dekanülierung möglich ist und welche Maßnahmen dafür notwendig sind.
Doch wie sieht eine strukturierte Potentialanalyse in der Praxis aus? Welche Parameter sind aussagekräftig, etwa Spontanatemkapazität, Schluckfunktion, Sekretmanagement, Hustenstoß und Vigilanz? Wo liegen die Schnittstellen zwischen Weaningzentrum, verordnender Ärzteschaft, Pflegedienst und Atmungstherapie? Der Vortrag zeigt, welche Rolle Atmungstherapeuten*innen bei der Erhebung, Dokumentation und Umsetzung der Empfehlungen übernehmen können. Er zeigt auch, wie ein gut organisiertes Überleitungsmanagement verhindert, dass vorhandenes Rehabilitationspotenzial ungenutzt bleibt.
Im Workshop werden typische Versorgungssituationen anhand konkreter Fallbeispiele analysiert. Dabei geht es um realistische Therapieziele, die Strukturierung einer Potenzialeinschätzung und die interprofessionelle Kommunikation.
Vortrag und Workshop: Benjamin Scheffler – Atmungstherapeut DGP, Überleitungsmanager
Workshop Bronchoskopie
(max. 6 TN je Durchgang, Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt)
Im Workshop Bronchoskopie werden nach einen kurzen theoretischen Einblick in die therapeutische Bronchoskopie, die Vorbereitung und Durchführung der Bronchoskopie im praktischen Training am Bronchoskopie Simulator in kleinen Gruppen durchgeführt.
Dr. Stefanie Hennig – Oberärztin | Fachärztin für Innere Medizin | Pneumologie | Schlafmedizin und Palliativmedizin
